Graf von Platen Hallermund

Ihr Recht in guten Händen

Finanzierung über Unternehmensanleihen.

Plant ein Unternehmen die Beschaffung eines Fremdkapitalvolumens von mindestens 10 Millionen €, so bestehen über Verbindungen gute Kontakte zur Börse München. Den Zugang zu spezialisierten Banken oder Anleihevermittlern kann ich Ihnen verschaffen. Über spezialisierte Fachkenntnisse  unterstütze ich im Verbund mit weiteren Kollegen und Wirtschaftsprüfern  Ihr Unternehmen bei der Prospekterstellung und der Konzeption.

Was ist aber nun eine Anleihe?   

Eine Anleihe ist ein verzinsliches Wertpapier und verbrieft einen schuldrechtlichen Anspruch sowohl auf Zahlung eines zeitabhängigen Entgelts (Zinszahlung) als auch einen Anspruch auf Rückzahlung des überlassenen Kapitalbetrags (Tilgung).

Was bedeutet ein Rating von Anleihen?  

Bei der Bewertung einer Anleihe ist das so genannte Ausfallrisiko zu bestimmen. Es handelt sich also um die Bewertung der Fähigkeit eines Unternehmens, die ihm aus der Anleihe obliegenden Verpflichtungen vollständig und rechtzeitig zu erfüllen. Je höher das Ausfallrisiko, desto höher in der Regel der anzubietende Zinssatz und die Ausgestaltung des Schutzes von Anleihegläubigern über Anleihebedingungen (sog. „Covenants“). Absicherungen sind der Garant für eine wesentlich schnellere Platzierung.

In einem Bewertungsverfahren unterscheidet man harte und weiche Fakten. Die harten Fakten lassen sich vor allem über in der Vergangenheit erzielte Erfolge eines Unternehmens bestimmen (Jahresabschlüsse, aussagekräftige Finanzkennzahlen, etc.). Die weichen Fakten werden unter anderem über die Strukturierung eines Unternehmens, den Geschäftsplan und Finanzplan,  Branchenkenntnisse und Branchenkontakte der Geschäftsführung im operativen Geschäft, Etablierung des Unternehmens auf dem Markt, etc., bewertet. Bei neu gegründeten Unternehmen haben also die weichen Fakten ausschlaggebende Bedeutung für die Bewertung des Ausfallrisikos.

Welche Entwicklung hat der Markt für Unternehmensanleihen in den letzten Jahren genommen?  

Die Ausgabe von Anleihen richtet sich vornehmlich an institutionelle Investoren, wie Kredit – und Finanzdienstleistungsinstitute, Pensionsfonds, Versicherungen und Hedge – Fonds. In jüngster Zeit wächst auch in Deutschland die Nachfrage nach Anleihen von Unternehmen mit höherem Ausfallrisiko (sog. High Yield – Anleihen)  bei Privatinvestoren. Die restriktivere Kreditvergabe der Banken, verbunden mit einer Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften für Banken,  wurde von bekannten deutschen Unternehmen beispielhaft zur Refinanzierung von Bankverbindlichkeiten und/oder der Verlängerung von Fälligkeitsprofilen verwendet.

Namentlich seien nur einige deutsche Unternehmen benannt, die seit 2010 Anleihen mit höherem Ausfallrisiko nach deutschem Recht platzierten:

ALBA Group, Freenet, Heidelberger Druckmaschinen, Phoenix Pharmahandel,  Schmolz & Bickenbach , Kuka AG.

Welche rechtlichen Grundlagen sind nach deutschem Recht im Fokus der Bearbeitung?  

Zu erwähnen sind vor allem das Kapitalanlagegesetz, das Schuldverschreibungsgesetz und die Regelungen gemäß  §§ 793 ff. BGB.

Welche Mitwirkungspflichten werden von einem Unternehmen zu leisten sein?  

Die Dokumentation einer Anleihe, insbesondere bei Unternehmen mit höherem Ausfallrisiko, ist mit Arbeit verbunden. Für die Vermarktung bedarf es zunächst eines Prospekts. Die Erstellung eines Prospekts ist auch mit einer Due Diligence verbunden. Zahlreiche Verträge, beispielhaft der Übernahmevertrag, der Konsortialvertrag, die Zahlstellenvereinbarung, eine Gläubigervereinbarung und vor allem die Anleihebedingungen sind unter Ausloten eines hinreichend operativen Handlungsspielraums des Unternehmens für die Laufzeit der Anleihe und dem Schutz der Anleihegläubiger zu erarbeiten. Dies bedarf mit Blick auf die Laufzeit von durchschnittlich 5 bis 8 Jahren auch einer vorausschauenden Sichtweise. So müssen geplante Maßnahmen und Transaktionen des Unternehmens nach Möglichkeit von allen Einschränkungen ausgenommen werden oder entsprechende Freiräume geregelt sein.

Welches Zeitfenster ist vom Projektstart bis zur Platzierung der Anleihe zu planen und mit welchen Kosten hat ein Unternehmen zu kalkulieren?  

Im Allgemeinen werden Anleiheplatzierungen für das Frühjahr oder den Herbst eines Jahres geplant.

Die Dauer der Erstellung eines Prospekts und die Verhandlung von Verträgen bedürfen auch einer Zuarbeit des potenziellen Emittenten.

Schnelle Zuarbeit vermag das Zeitfenster erheblich zu verkürzen. Da auch behördliche Genehmigungen einzuholen sind, und die BAFIN ab Stichtag 30. September eines Jahres keine Prüfungen mehr für das laufende Jahr annimmt, sollte zum einen bis zur Platzierung der Anleihe ein halbes Jahr geplant werden und zum anderen spätestens Januar oder Februar eines Jahres der Startschuss für das Projekt erfolgen.

Die Fremdkosten einer Anleiheplatzierung dürften grob mit ca 5,2 % des Anleihevolumens zu beziffern sein. Einige Beträge sind vorzufinanzieren, der größte Teil der Kosten kann aber über den Zufluss aus platzierten Anleihen finanziert werden.

Kurzabriss eines Vergleichs mit Bankkrediten  

Im Vergleich zu Kreditverträgen mit Banken werden Anleihegläubigern meistens weniger Sicherheiten eingeräumt. Allerdings muss sich ein Unternehmen darüber bewusst sein, dass der gesamte Anleihebetrag für viele Jahre sofort und in voller Höhe zur Verfügung steht und nicht je nach Bedarf bei syndizierten Bankdarlehen aufgenommen und rückgeführt werden kann. Auch die vielleicht nötige Änderung von Anleihebedingungen muss als schwerfällig bezeichnet werden. Dieser Nachteil tritt aber jetzt verstärkt auch bei Banken auf. Die frühere größere Flexibilität geht bei Konsortialbankkrediten immer mehr verloren, sodass  auch Stundungen und andere Änderungen eines Bankdarlehensvertrages seitens des Unternehmens schwer durchzusetzen sind.

Zusammenfassende Beurteilung  

Insgesamt betrachtet ist der anfängliche Aufwand mit Blick auf die erlangten Vorteile der Platzierung einer Anleihe durchaus angemessen.

Schon aufgrund der restriktiven Kreditvergaben der Banken bietet sich über eine Anleiheplatzierung für das Unternehmen ein Weg, der die Liquidität eines Unternehmens über einen längeren Zeitraum sichert. Nutzt man das über eine Anleihe erhaltene Fremdkapital zur Rückführung von Bankkrediten, kann zumeist eine Haftung von Geschäftsführern mit deren Privatvermögen gegenüber einer Bank ausgeschlossen werden. Zudem zeigen Beispiele der letzten Jahre, dass Unternehmen auch mehrmals Anleihen platzierten und bei Zweit- oder Drittplatzierungen nur noch ein geringer Aufwand für das Unternehmen im Vergleich zur ersten Platzierung auftrat, da der erste Prospekt als sog. Basisprospekt anerkannt werden kann.